Gassner & Partner

Patent AT 510 965

Temperierung von Holztramköpfen

Trotz aufwändiger ökologischer Sanierungsmaßnahmen, war bisher eine Innendämmung gegliederter Fassaden von Gründerzeithäusern nicht risikofrei möglich (Gefahr der Vermorschung). Dank langjähriger kostenintensiver Forschung ist es uns gemeinsam mit der TU Wien gelungen, Tramdecken auch bei einer Innendämmmaßnahme dauerhaft zu sanieren und zu erhalten! Die Erfindung (Patent AT 510 965) ermöglicht eine sehr energiesparende Temperierung des schadensanfälligen Bereiches durch die Verwendung von Wärmeleitblechen, die beidseits des Tramkopfs zwischen Holz und Mauerwerk eingeschlagen werden.

Hintergrund & Herausforderung

In Wien sind ca. 25% des Gebäudebestandes Gründerzeithäuser, deren Fassaden zumindest teilweise schützenswert sind. Nicht gedämmte Fassaden haben eine schlechte thermische Performance und bei einer Bestandssanierung betreffen ca. 20-30% des Energieeinsparpotenzials die Straßenfassade. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Erhaltung der gegliederten Fassade und die gleichzeitige thermische Sanierung dar.

Gegliederte Fassaden von Gründerzeithäusern können nur durch Innendämmung thermisch saniert werden. Dabei besteht die Gefahr der Verrottung der Tramköpfe von Holzbalkendecken, da sich der Taupunkt im Wandquerschnitt weiter nach innen verlagert und Tauwasser und Schimmelpilz bildet.

Um dies zu verhindern, muss die Temperatur im schadensanfälligen Bereich angehoben werden. Die Temperierung der Tramköpfe mittels Heizungsrohren im Sockelleistenbereich oder sogenannter Heatpipes erfordert aber einen beträchtlichen Energieaufwand und ist daher weder rentabel noch ökologisch sinnvoll.

Beispielbild eines vermorschten Tramkopfs

Lösung: Patent AT 510 965

Trotz aufwändiger ökologischer Sanierungsmaßnahmen konnten bisher gegliederte Fassaden von Gründerzeithäusern nicht risikofrei gedämmt werden (Gefahr der Verrottung von Holztramköpfen bei Innendämmung). Durch kostenintensive Forschung und umfangreiches Monitoring zur Dokumentation der dauerhaften Schadensfreiheit in unseren Projekten „Bel-Vedere“ und „Favorite Roof“ gelang es uns gemeinsam mit der Technischen Universität Wien, erstmals eine energieeffiziente Innendämmung gegliederter Fassaden von Gründerzeithäusern möglich zu machen und das Patent AT 510 965 zur Temperierung von Holztramköpfen zu entwickeln!

  • Patent-Urkunde AT 510 965
    (PDF | 864 KB | Letzte Änderung: 12.12.2019 10:55)
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Technologie

Die Technologie dient zur Verhinderung von Tauwasserbildung an den Tramköpfen einer Holzbalkendecke bei innengedämmten Außenwänden. Wärmeleitbleche aus Kupfer werden beidseits des Tramkopfs oder unter bzw. über dem Balken an ein quer zu den Trämen laufendes Heizungsrohr thermisch angeschlossen, um Wärmeenergie in das Mauerwerk bis an das Tramende zu führen. Dadurch wird eine Unterschreitung der Taupunkttemperatur im Balkenauflager vermieden.

Der Energiebedarf ist bei dieser Technologie sehr gering, da die Wärmeenergie direkt an die erforderlichen Stellen geleitet wird. So kann eine Tramdecke auch bei einer Innendämmmaßnahme dauerhaft saniert und erhalten werden.

 

Vorteile

Mit der Verwendung von nachhaltigen Innendämmsystemen aus nachwachsenden Rohstoffen oder diffusionsoffenen mineralischen Materialien und unter Anwendung der lokalen Temperierung der Holzbalkenauflager kann eine nachhaltige und schadensfreie thermische Sanierung der gegliederten Fassade erfolgen. Somit kann die Gesamtenergieeffizienz des Gebäudebestands gesteigert und kulturelles Erbe erhalten werden. Zugleich ist der Primärenergiebedarf bei der Sanierung von Bestandsgebäuden wesentlich geringer als bei der Errichtung von Neubauten.

Das vorgestellte Produkt zeichnet sich durch ökonomische sowie ökologische Nachhaltigkeit aus. Umgelegt auf die Nutzfläche können mittels Innendämmung an der Fassade 20-30 kWh/m²a gegenüber dem Bestand eingespart werden. Gleichzeitig beträgt der Energieaufwand für die lokale Temperierung lediglich ca. 30 kWh/a pro Deckenbalkenauflager.

 

Highlights

  • Nachhaltige Nutzung von Bestandsgebäuden
  • Thermische Effizienzsteigerung bis auf Passivhausstandard möglich
  • Geringer Energieaufwand (1/10 jener Leistung, die für die Temperierung des gesamten Deckenanschlusses erforderlich wäre)
  • Wirtschaftlicher Vorteil durch hohen Dämmstandard der gesamten Fassade und geringe thermische Verluste der Wärmeleitbleche
  • Minimierung des Schadensrisikos des Innendämmsystems
  • Entwickelt und geprüft an der TU Wien in Forschungskooperation mit Gassner & Partner Baumanagement GmbH
  • Beitrag zur Erhaltung der historisch und kulturell wertvollen innerstädtischen Bausubstanz
  • Einsatz biologischer, nachwachsender und ressourcenschonender Dämmstoffe als Innendämmung
  • Platzsparend, leicht ausführbar und daher kostengünstig, wertsteigernd

Fotos

  • Grafik: Temperierung von Holztramköpfen
  • Wärmeleitblech aus Kupfer
  • Nachhaltige Innendämmsysteme aus nachwachsenden Rohstoffen
  • Wärmeleitblech
  • Wärmeleitblech

Kontakt Forschung & Entwicklung

Paul Wegerer

Für alle Fragen rund um unsere Forschungsprojekte, kontaktieren Sie mich bitte unter: